Miller Family

In der Südlichen Galerie des Nymphenburger Schlosses hat die Schönheitengalerie König Ludwigs I. die größte Anziehungskraft. 36 Aristokratinnen und Bürgerstöchter, extravagante Ladies und biedere Landmädchen saßen dem Maler Josef Stieler zwischen 1827 und 1850 Modell, darunter auch ›Romanzen‹ des Königs, wie die Schuhmachermeisterstochter Helene Sedlmayr, die als ›Schöne Münchnerin‹, oder die Tänzerin Lola Montez, die als hochnotpeinliches Politikum in die Geschichte einging. Doch war nicht Schönheitswettbewerb, sondern Darstellung des Schönheitsideals der Sinn dieser Galerie.

Das Bild von Helene Sedlmayr ist das wahrscheinlich schönste Bild, in dem vor allem der Gedanke der Schönheitengalerie, die Darstellung tugendhafter Schönheit, auf das Meisterlichste umgesetzt wurde.

Sie schlug sogar einen König in ihren Bann: Helene Kreszenz Sedlmayr, in Trostberg bei Traunstein am 12. Februar 1813 geboren als Tochter eines ehrsamen Schuhmachermeisters, bekam mit 14 Jahren eine Stelle als Dienstmagd zu Altötting. Von 1828 bis 1830 war sie in gleicher Eigenschaft, laut einem noch vorhandenen Dienstbücherl „ungemein fleißig, treu, brav und reinlich” in München tätig. In den Jahren 1830/31 war sie in dem Mode- und Spielwarengeschäft des Kaufmanns Auracher in der Brennerstraße beschäftigt, wo sie auch als Ausgehmädel Verwendung fand.

Einst hatte die Königin Therese, Gemahling Ludwigs I., für ihre Prinzen bei Auracher Spielwaren eingekauft, die Helene in die Residenz bringen musste. Der Zufall fügte, das sie im Schloß dem Könige selbst begegnete, der, überrascht von ihrer außergewöhnlichen Schönheit und Züchtigkeit, nach Namen und Herkommen fragte. Als er sie wieder einmal im Sonntagsputz mit silbernen Riegelhäubchen auf dem pechschwarzen Haar traf, fasste er den Entschluss, ihr Bild für seine Schönheitengalerie malen zu lassen.

Der König soll diese umworben haben mit folgenden Worten:

„Blick nicht so forschend und fragend, Du blühenste, lieblichste Schöne, sieh vertrauend mich an. Wahrlich, Du kannst es mit Recht.“

Eine einfache Schusterstocher, vom König umworben: dies blieb nicht ohne Folgen. Die schöne Münchnerin wurde alsbald mit dem Hofmarschall Miller verheiratet, der als treuer Diener seines Königs in die Eheschließung einwilligen musste.

Helene Miller starb im hohen Alter von 85 Jahren und wurde auf dem Campo Santo des Südlichen Friedhofes nahe dem großen Kreuze von Halbig zur ewigen Ruhe gebettet. Das Bildnis der 18jährigen Helene in Altmünchner Tracht wurde 1831 von Joseph Stieler gemalt und hat das junge Mädchen als „schöne Münchnerin” im Bewusstsein der Bevölkerung verewigt

So kann man sagen, dass die Ur-Ur-Großmutter der Gebrüder Ernst und Peter und deren Schwester Felicitas Miller, nämlich jene Helene Sedlmayr, noch heute nach über 100 Jahren die Geschichte der Familie beeinflusst.